WEBVTT

00:00:02.920 --> 00:00:07.960
ich mich auch einmal noch mal selber vorstellen. Ich bin Corinna, so werde ich gebärdet. Ich liebe

00:00:07.980 --> 00:00:16.460
Zebra, das Muster von Zebras, und ich bin großer Fan. Also so am Auge werde ich gebärdet. Zum

00:00:16.820 --> 00:00:20.380
heutigen Thema, was ich mitgebracht habe, geht es darum, Sexismus, wie entsteht das,

00:00:20.380 --> 00:00:29.560
woher kommt Sexismus. Ich bin Corinna, ich benutze die Pronomen sie, ihr. Ich bin taub,

00:00:29.560 --> 00:00:38.960
habe eine Behinderung, bin heteros, weiß, Akademikerin, dick. Ich habe keine Kinder,

00:00:38.980 --> 00:00:45.200
habe eine psychische Erkrankung und bin Neurodivergent. So, erst mal soweit zu mir,

00:00:45.260 --> 00:00:49.460
dass ihr eine Vorstellung habt, wer gerade vor euch ist, damit ihr eine Idee habt,

00:00:49.460 --> 00:00:53.540
wer heute für euch diesen Vortrag hält. Ich bin sehr gerne heute hier und freue mich sehr

00:00:53.540 --> 00:01:05.920
auf diesen Vortrag. Zu den Fragen. Normalerweise ist es so, dass bei Vorträgen ich immer auch

00:01:05.920 --> 00:01:09.280
bereit bin, für Verständnisfragen zu stellen. Heute machen wir es online, deswegen ist es ein

00:01:09.280 --> 00:01:14.160
bisschen schwieriger. Wenn es Verständnisfragen gibt oder Unsicherheiten zu dem Thema, ob etwas

00:01:14.180 --> 00:01:19.480
richtig verstanden wurde oder doch noch tiefer gehende Fragen sind, einfach gerne die Frage kurz

00:01:19.480 --> 00:01:22.400
notieren oder sich merken. Ungefähr eine Stunde werde ich den Vortrag halten und dann haben wir

00:01:22.400 --> 00:01:28.080
auch eine halbe Stunde Zeit für eine ausführliche Fragerunde. Dann würde ich auch gleich beginnen.

00:01:28.100 --> 00:01:38.400
Es gibt drei Begriffe, die wahnsinnig relevant sind im Bereich der Diskriminierung. Einmal

00:01:38.480 --> 00:01:45.640
Stereotype, so gebärde ich es, Vorurteile und Diskriminierung. Zum ersten Stereotype,

00:01:45.640 --> 00:01:52.520
damit würde ich gerne beginnen. Es gibt verschiedene Gruppen zum Beispiel, die einen

00:01:52.520 --> 00:01:57.680
bestimmten Stempel bekommen, die eine bestimmte Zuordnung erhalten. Das muss aber überhaupt gar

00:01:57.680 --> 00:02:02.080
nicht stimmen. Es ist einfach so, dass bestimmten Gruppen bestimmte Zuschreibungen gegeben werden,

00:02:02.080 --> 00:02:08.080
die aber gar nicht der Realität entsprechen müssten. Gerne gebe ich ein paar Beispiele,

00:02:08.080 --> 00:02:13.720
um es zu verdeutlichen. Ein Beispiel wäre zum Beispiel, dass Personen aus Italien oder Personen

00:02:13.740 --> 00:02:18.780
aus Deutschland, wenn wir diese beiden Gruppierungen haben, dann bestimmten Stereotypen

00:02:18.780 --> 00:02:25.280
zugeteilt werden. Bei verschiedenen Vorträgen, die ich bisher gehalten habe, war es so, dass ich

00:02:25.280 --> 00:02:32.760
meistens auch gefragt habe, in Italien, was gibt es denn für bestimmte Vorurteile, bestimmte Stereotypen

00:02:32.780 --> 00:02:36.940
gegenüber den Deutschen oder ItalienerInnen. Und meistens waren auch die gleichen Rückmeldungen,

00:02:36.940 --> 00:02:45.120
bei ItalienerInnen waren es zum Beispiel solche Zuschreibungen, die dann genannt wurden. Es soll

00:02:45.120 --> 00:02:50.080
so sein, dass sie typisch kinderfreundlich sind, dass sie sehr laut sind, sehr leidenschaftlich,

00:02:50.080 --> 00:02:56.800
temperamentvoll, Spaghetti fressende sind und die Mama sei die wichtigste Person. Und Essen

00:02:56.800 --> 00:03:03.360
allgemein wäre sehr wichtig, gut gekleidet, trinken sehr viel Wein, sind Showbiz, so gebärde

00:03:03.360 --> 00:03:08.960
ich das und gestikulieren und reden sehr viel mit den Händen. Das ist so das typische Bild,

00:03:08.960 --> 00:03:17.560
was von ItalienerInnen vorherrscht, was häufig sich hält, aber das muss ja gar nicht der Realität

00:03:17.680 --> 00:03:22.720
entsprechen, dass alle Italiener sehr laut sind oder alle Showbiz sind oder alle sehr gerne Spaghetti

00:03:22.740 --> 00:03:28.400
essen. Das ist natürlich genauso divers wie alle anderen Menschen auf der Welt auch. Aber diese

00:03:28.400 --> 00:03:32.800
Vorurteile, diese Stereotypen halten sich hartnäckig und werden auch immer weitergegeben und sind sehr

00:03:32.800 --> 00:03:39.400
verbreitet. Viele sagen, stimmen dem auch meistens zu und sagen, ja diese Stereotype, diese Zuschreibung

00:03:39.400 --> 00:03:44.520
kennen sie. Hier sehen wir die Zuschreibung für deutsche Personen. Sie sollen häufig pünktlich

00:03:44.520 --> 00:03:53.680
sein, sie sind humorlos, sehr pedantisch, tragen Sandalen mit weißen Socken, sind Reise-WeltmeisterInnen,

00:03:53.680 --> 00:04:04.440
sind häufig unfreundlich, essen die ganze Zeit Sauerkraut, sind sehr sehr fleißig und sind

00:04:04.460 --> 00:04:09.940
klugscheißend. Sie wissen immer sehr viel besser. Jetzt ist natürlich die Frage, ich denke mal hier

00:04:09.940 --> 00:04:15.500
sind überwiegend deutsche Personen anwesend. Ist das tatsächlich so, entspricht das unbedingt der

00:04:15.500 --> 00:04:20.460
deutschen Person? Auch in Deutschland gibt es natürlich sehr humorvolle Menschen. Es gibt auch

00:04:20.460 --> 00:04:23.940
Menschen, die überhaupt gar nicht gerne reisen. Es gibt auch Menschen, die hassen Sauerkraut. Es gibt

00:04:23.940 --> 00:04:31.900
auch Menschen, die nicht klugscheißend um die Dinge sagen, aber trotzdem halten sich diese

00:04:31.900 --> 00:04:37.180
Stereotype, diese Vorurteile. Und wenn wir uns damit auseinandersetzen, zum Beispiel dem Zuschreiben

00:04:37.180 --> 00:04:40.620
unserer eigenen Person gegenüber, können wir denen häufig widersprechen. Dennoch halten sich diese

00:04:40.620 --> 00:04:45.080
Vorurteile in der Mehrheitsgesellschaft, werden weitergegeben, aber erst wenn man sich damit

00:04:45.080 --> 00:04:48.840
auseinandersetzt, merkt man, dass das gar nicht immer der Realität entspricht. Soweit zu den

00:04:48.840 --> 00:04:55.080
Stereotypen. Aber warum gibt es dann eigentlich Stereotypen, wenn sie gar nicht der Realität

00:04:55.080 --> 00:05:01.080
unbedingt entsprechen? Wir Menschen oder die Menschheit an sich braucht evolutionsbiologische

00:05:01.080 --> 00:05:06.200
Gründe, auch psychologische Gründe spielen da mit rein. Auch medizinische Untersuchungen haben

00:05:06.240 --> 00:05:12.680
ergeben, dass aufgrund unserer neuronalen Struktur des Gehirns wir bestimmte Kategorien brauchen,

00:05:12.680 --> 00:05:18.200
eine bestimmte Struktur brauchen, um die Welt zu erfassen. Und wenn wir das nicht hätten, dieses

00:05:18.220 --> 00:05:22.400
bestimmte Schubladentenken, teilweise müssten wir bei jeder Kleinigkeit entscheiden, ist das jetzt

00:05:22.400 --> 00:05:28.640
eine Gefahr, ist das keine Gefahr, ist das gut für uns? Und wir müssen immer wieder neu entscheiden.

00:05:28.660 --> 00:05:32.280
Das ist natürlich eine große Überbelastung und Stress für unser Gehirn. Wenn wir zurückgehen in

00:05:32.280 --> 00:05:40.320
der Zeit, wo Menschen noch draußen gelebt haben zum Beispiel, wo man sich das Essen gejagt hat,

00:05:40.340 --> 00:05:44.340
sehen wir hier ganz links einmal den Fliegenpilz. Und man hat gesehen, Menschen haben diesen

00:05:44.340 --> 00:05:50.360
Fliegenpilz gegessen und sind dann gestorben. Also war Rot eine Farbe der Gefahr und das Rot wurde in

00:05:50.360 --> 00:05:56.160
die Schublade Gefahr eingepackt, dass man wusste, etwas mit Rot würde man nicht essen. Aber jetzt

00:05:56.180 --> 00:05:59.520
zur Zeit in der Mitte, wir sehen die rote Paprika, die schmeckt uns natürlich allen sehr gut und wir

00:05:59.520 --> 00:06:05.480
sterben auch nicht von einer roten Paprika im Generellen. Das heißt, nur weil die Paprika rot ist

00:06:05.480 --> 00:06:09.520
und eigentlich rot in die Schublade der Gefahr gehört, muss das gar nicht so sein. Früher war

00:06:09.540 --> 00:06:13.860
es natürlich eine Sicherheit zu wissen, wenn das Essen rot ist und man das nicht isst, dann besteht

00:06:13.860 --> 00:06:19.800
die Chance höher, dass man überlebt. Hier ganz rechts sehen wir noch das Bild eines Säbelzahntigers.

00:06:19.800 --> 00:06:26.280
Früher hat man vielleicht im Wald gelebt und dann kam der Säbelzahntiger auf einen zu und da hätte

00:06:26.300 --> 00:06:29.560
man auch nicht gesagt, oh Gott, ist der süß, den möchte ich jetzt aber ein bisschen streicheln, sondern man hat

00:06:29.560 --> 00:06:38.360
die langen Zähne gesehen und wusste, das ist Gefahr, ich muss weggehen. Das heißt, alle, die diese Zähne

00:06:38.360 --> 00:06:43.320
hatten oder ein bestimmtes Aussehen wie ein Säbelzahntiger hatten, wurden in die Kategorie Gefahr

00:06:43.340 --> 00:06:47.100
gepackt und man hat sich von dem entfernt und dadurch konnte man leben. Man brauchte also damals

00:06:47.100 --> 00:06:52.860
diese Schubladen, um auch zu überleben. Jetzt leben wir aber nicht mehr im Wald. Wir sind in der

00:06:52.860 --> 00:06:59.360
Neuzeit angekommen, aber unsere Gesellschaft braucht nach wie vor diese Schubladen, obwohl es

00:06:59.360 --> 00:07:03.720
ja in der Form keine Gefahr mehr gibt. Das, wo es intoniert, das bleibt und es wird nach wie

00:07:03.720 --> 00:07:09.240
vor immer noch weitergegeben und wir sortieren Dinge immer noch in Schubladen ein. Wenn wir uns

00:07:09.240 --> 00:07:14.760
jetzt die Stereotype über Flinte anschauen, die sich in der Mehrheitsgesellschaft halten,

00:07:14.780 --> 00:07:22.360
seht ihr hier einige Beispiele angeworfen, emotional überempfindlich, schwach, schutzbedürftig,

00:07:22.460 --> 00:07:30.340
Pflicht zur Mutterschaft, Hausfrau, Fürsorgerin, technisch nicht besonders begabt, auch logisch

00:07:30.340 --> 00:07:40.020
nicht besonders begabt, eitel, modelbewusst, dann klatschsüchtig, redselig, verführerisch,

00:07:40.020 --> 00:07:50.360
ist eine Gefahr für Männer. Auch FLINTA*s haben häufig Stimmungsschwankungen, sind launisch,

00:07:50.360 --> 00:07:57.160
hormonell gesteuert und karriereunfähig und nicht durchsetzungsstark. Das heißt, bestimmte Sachen

00:07:57.160 --> 00:08:01.520
werden ihnen nicht zugetraut und sie halten sich häufig zurück und sind nicht durchsetzungsfähig.

00:08:01.540 --> 00:08:05.240
Das sind so Stereotype, die sich nach wie vor in der Mehrheitsgesellschaft über FLINTA* halten.

00:08:05.240 --> 00:08:11.280
Würdet ihr dem zustimmen? Sind hier einige FLINTA*s dabei? Würdet ihr sagen, ja, das stimmt

00:08:11.300 --> 00:08:16.120
oder stimmt das nicht? Ich denke, dass einiges natürlich nicht stimmt. Das ist ja natürlich

00:08:16.300 --> 00:08:21.300
wahnsinnig individuell, aber FLINTA*s werden häufig in eine Gruppe gepackt mit diesen Stereotypen

00:08:21.300 --> 00:08:25.460
besetzt und die Mehrheitsgesellschaft hat dieses Bild, diese Stereotype häufig über FLINTA*s,

00:08:25.460 --> 00:08:32.540
auch wenn wir alle wissen, dass das natürlich nicht immer dem auch entspricht. Durch dieses

00:08:32.540 --> 00:08:40.480
Schubladendenken entstehen Vorurteile und aus diesen Vorurteilen entstehen dann Diskriminierung

00:08:40.480 --> 00:08:44.240
und hier auch müssen wir noch mal in zwei Bereiche gehen. Wenn ich mir zum Beispiel die

00:08:44.240 --> 00:08:51.600
FLINTA*s anschaue und die Gruppe von Männern, dann haben Männer bestimmte Vorteile, wie sie

00:08:51.600 --> 00:08:56.480
durch das Leben können. Obwohl FLINTA*s in der gleichen Situation sind, können sie aufgrund

00:08:56.480 --> 00:09:01.280
dieser Stereotype, dieser Vorteile ihnen gegenüber, haben sie nicht die gleichen Chancen wie zum

00:09:01.300 --> 00:09:05.020
Beispiel die Gruppe der Männer, auch wenn sie die gleichen Voraussetzungen mitbringen.

00:09:05.020 --> 00:09:10.680
Ich möchte da direkt mal ein Beispiel anbringen. Also es gibt gewisse Stereotype,

00:09:10.680 --> 00:09:14.440
wie beispielsweise FLINTA* kennen sich überhaupt nicht mit Technik aus, haben keine Ahnung vom

00:09:14.460 --> 00:09:20.900
Computer. Das ist ein verbreiteter Stereotyp, obwohl wir natürlich wissen, es ist natürlich

00:09:20.900 --> 00:09:26.040
nicht der Fall. Aber wenn jetzt ein Chef einer Firma diesen Stereotyp im Kopf hat und sich denkt,

00:09:26.040 --> 00:09:31.080
ja stimmt, FLINTA*, die wissen überhaupt nichts über die Arbeit am Computer, dann hat er sozusagen

00:09:31.100 --> 00:09:36.460
dieses Vorurteil, diese Vorstellung, dass wenn er eine FLINTA*-Person einstellt, er die ganze

00:09:36.460 --> 00:09:40.040
Zeit sozusagen diese Person unterstützen muss, sie nicht das Gleiche leistet, wie ein Mann leisten

00:09:40.040 --> 00:09:43.600
würde und dann wird die Entscheidung getroffen, nee, in meiner Firma stelle ich lieber keine

00:09:43.600 --> 00:09:49.760
FLINTA*-Person an. Das heißt, dadurch kommt es zu Diskriminierung durch dieses Vorurteil, weil wenn

00:09:49.780 --> 00:09:54.600
diese FLINTA*-Person sich bewirbt, wird sie vielleicht nicht in Betracht gezogen, einfach

00:09:54.600 --> 00:09:59.440
weil das Vorurteil im Kopf dieses Chefs besteht. Das ist dann die Diskriminierung, die erfolgt auf

00:09:59.460 --> 00:10:04.160
Grund von Stereotypen und Vorurteilen. Also der Stereotyp ist erstmal die Vorstellung, das Vorurteil

00:10:04.160 --> 00:10:08.920
ist dann sozusagen das Konkrete, wie eine Person mit diesem Stereotyp umgeht und darauf kommt es

00:10:08.920 --> 00:10:20.640
dann zu Diskriminierung. Ich würde gerne auf das Thema Sozialisierung eingehen und dabei ganz genau

00:10:20.660 --> 00:10:23.920
auf den Kreislauf der Sozialisierung. Keine Sorge, das Bild ist jetzt ein bisschen klein, ich zeige

00:10:23.920 --> 00:10:28.720
das gleich nochmal in Ausschnitten. Der Kreislauf der Sozialisierung bezieht sich darauf, dass Menschen

00:10:28.720 --> 00:10:33.040
natürlich auf eine gewisse Art und Weise aufwachsen und in der Gesellschaft die ganze Zeit

00:10:33.040 --> 00:10:39.640
Informationen mitbekommen, internalisieren und Dinge für normal halten. Da möchte ich gern

00:10:39.660 --> 00:10:44.680
darauf eingehen. Da ganz in der Mitte steht ja ein neuer Mensch, das heißt hier fängt es sozusagen an,

00:10:44.680 --> 00:10:51.040
dieser Kreis kann dort beginnen, das heißt eine neue Person wird geboren und wird in diese Welt

00:10:51.040 --> 00:10:55.920
hineingeworfen, in diese Gesellschaft und schon vor der Geburt kann das vorgehen mit den Stereotypen

00:10:55.920 --> 00:11:01.040
und Vorurteilen. Da ist das dann nämlich der Fall, dass beispielsweise wenn eine Mutter schwanger ist,

00:11:01.220 --> 00:11:06.560
sie die Information bekommt, es wird ein Mädchen und sie sofort anfängt, sich gewisse Gedanken zu

00:11:06.560 --> 00:11:10.720
machen. Eine Tochter, die soll natürlich schön sein, die soll einen bestimmten Beruf wählen,

00:11:10.720 --> 00:11:14.600
sie soll vielleicht irgendwie was Gestalterisches arbeiten oder vielleicht wird sie ja Verkäuferin

00:11:14.600 --> 00:11:19.480
oder so diese gewissen Vorstellungen, die eine Mutter dann schon haben kann und die sie ihrem

00:11:19.480 --> 00:11:25.480
ungeborenen Kind in dem Moment auch schon mitgibt. Und obwohl das Kind noch nicht geboren wird, ist

00:11:25.480 --> 00:11:30.240
klar, es ist ein Mädchen und man muss direkt die richtige Ausstattung kaufen, also rosane Kleidung,

00:11:30.420 --> 00:11:35.540
das was genau für Mädchen eben gemacht ist, das was Mädchen eben natürlich dann auch gefallen soll.

00:11:35.540 --> 00:11:40.800
Und dann beginnt vielleicht auch schon eine gewisse Angst und nein, wenn es jetzt ein Mädchen wird,

00:11:40.800 --> 00:11:44.400
dann könnte sie natürlich Gewalterfahrungen machen, sie könnte irgendwie auf der Straße

00:11:44.420 --> 00:11:49.240
überfallen werden. All diese Ängste und Sorgen beginnen schon, während das Kind noch im Mutterleib

00:11:49.240 --> 00:11:53.600
ist, weil das eben die Informationen sind, die aus der Gesellschaft an die Mutter herangetragen werden.

00:11:53.600 --> 00:12:04.640
Gehen wir einen Schritt weiter im Kreislauf der Sozialisierung, also eben sozialisiert auf

00:12:04.660 --> 00:12:13.120
persönlicher Ebene, ganz oben im Kreis. Hier geht es also tatsächlich um diese Person, die geboren ist,

00:12:13.120 --> 00:12:17.920
in diese Gesellschaft aufwacht, aufwächst, erstmal in die Schule geht, dann die Pubertät durchlebt,

00:12:18.040 --> 00:12:24.520
jugendlich ist und in dieser Phase auf ganz verschiedene Personen trifft, je nachdem,

00:12:24.540 --> 00:12:29.800
wie das Umfeld aussieht. Da sind die Eltern, Verwandten, Lehrkräfte, Vertrauenspersonen,

00:12:29.800 --> 00:12:35.360
Beziehungspersonen, all diese Menschen im Umfeld spielen dann eine gewisse Rolle und beeinflussen

00:12:35.360 --> 00:12:39.440
das Kind. Die Eltern wissen beispielsweise, es ist ein Mädchen, wir schenken ihm eine Puppe,

00:12:39.460 --> 00:12:45.780
sie soll kochen und backen, sie kriegt etwas zum Basteln, sie kriegt keine Autos oder nicht diese

00:12:45.800 --> 00:12:51.000
Sachen, mit denen man irgendwie was bauen kann, sondern wir konzentrieren uns auf das, was Mädchen

00:12:51.020 --> 00:12:56.800
bekommen, was Mädchen gefällt, das heißt, damit wächst dieser neue Mensch schon auf. Vielleicht

00:12:56.800 --> 00:13:01.960
sieht dann auch dieses Mädchen, andere Mädchen tragen auch rosa, übernimmt dann genau diese

00:13:01.980 --> 00:13:07.680
verbreiteten Stereotype und vielleicht wird auch immer wieder von den Eltern gesagt, du bist so

00:13:07.680 --> 00:13:14.000
schön, du solltest nicht so wild sein. Es gibt natürlich Mädchen, die wild sind, auf Bäume

00:13:14.040 --> 00:13:18.040
klettern, aber dann heißt es sehr oft, sei bitte brav, sei nicht so wild, das passt nicht zu einem

00:13:18.040 --> 00:13:23.200
Mädchen, du musst dich anders verhalten, weil du ein Mädchen bist. Bei Jungen ist das so, wenn die

00:13:23.220 --> 00:13:27.720
wild sind und auf die Bäume klettern, ist es normalisiert, aber Mädchen sollen eben nicht so

00:13:27.720 --> 00:13:31.920
wild sein und das sieht man auch auf dem Spielplatz, wie da die Raumaufteilung sich gestaltet. Es gibt

00:13:31.920 --> 00:13:38.400
da Studien in Skandinavien, die zeigen, dass gerade kleine Kinder, so bis zum Alter von sechs, sieben

00:13:38.420 --> 00:13:43.980
Jahren, auf dem Spielplatz bestimmte Verhaltensmuster zeigen und zwar nehmen sie einen gewissen Raum ein,

00:13:44.480 --> 00:13:49.640
das ist unterschiedlich zwischen Mädchen und Jungen. Also wenn wir uns den Spielplatz anschauen, sind

00:13:49.660 --> 00:13:55.920
ungefähr 70, 80 Prozent besetzt von Jungen. Die spielen da beispielsweise Fußball, dafür brauchen

00:13:55.920 --> 00:14:01.880
sie viel Platz, sie rennen herum und die Mädchen werden dann eher sozusagen in den restlichen Teil

00:14:01.900 --> 00:14:06.920
gedrückt. Sie wollen ja eh aufpassen, dass sie nicht verletzt werden, mit ihren Puppen spielen,

00:14:06.920 --> 00:14:12.840
sie brauchen ja nur diese 20 bis 30 Prozent ungefähr, in denen sie sich dann eben ausbreiten

00:14:12.860 --> 00:14:18.800
können, aber den Großteil des Platzes übernehmen halt in der Regel Jungen, wohingegen Frauen eben

00:14:18.800 --> 00:14:22.240
eher in so eine Ecke gedrängt werden. Sie sind aber auch so sozialisiert, dass sie das nicht in

00:14:22.240 --> 00:14:29.640
Frage stellen und das nicht irgendwie ändern oder mehr Raum einfordern. Und dann ist es natürlich

00:14:29.660 --> 00:14:36.480
auch so, dass diese jungen Mädchen sehr viel die Erfahrung machen, dass sie schauen, was machen

00:14:36.480 --> 00:14:40.880
denn FLINTA* Personen in meinem Umfeld, dass sie sich da sehr stark daran orientieren und gewisse

00:14:40.900 --> 00:14:45.120
Werte und Normen, die dann eben aus der Gesellschaft schon in jungen Jahren ihnen verankert werden,

00:14:45.120 --> 00:14:54.240
übernehmen. Wir gehen ein Stück weiter im Kreislauf der Sozialisierung und zwar hier zu dem Absatz

00:14:54.240 --> 00:14:59.760
Sozialisierung wird unterstützt und verstärkt durch verschiedene Faktoren. Das können Institutionen

00:14:59.780 --> 00:15:05.780
sein wie Kirche, Schule, Justiz, Medizin, Wirtschaft, Wissenschaft oder auch die Medien. Es

00:15:05.780 --> 00:15:11.660
können aber auch gewisse Praxen sein, kulturelle Praxen, Sprache, Gedankenmuster oder auch Literatur.

00:15:11.660 --> 00:15:17.540
Also diese verschiedenen Beispiele sind da angeworfen. In der Kirche würden FLINTA* Personen

00:15:17.540 --> 00:15:24.540
beispielsweise sehen, da vorne steht der Pfarrer, das ist eine Autoritätsperson, die ja in der Regel

00:15:24.540 --> 00:15:29.820
im katholischen Männer sind. Also es gibt da keine FLINTA* Personen in der katholischen Kirche. In

00:15:29.820 --> 00:15:33.840
der evangelischen Kirche ist das etwas anders, da gibt es auch FLINTA* Personen, aber das sind

00:15:33.840 --> 00:15:39.520
weniger tatsächlich, als es männliche Pfarrer sind und dann ist das eben eine männliche Respektsperson

00:15:39.540 --> 00:15:44.060
in diesem Moment. Dann gibt es Lehrkräfte, die sagen sowas wie, ach na ja, also Jungs sind ja eh

00:15:44.060 --> 00:15:49.940
besser in Mathe und Mädchen können das nicht so gut und das wird dann sozusagen einfach übernommen,

00:15:49.940 --> 00:15:54.700
selbst wenn das Mädchen vielleicht Motivation für Mathe gezeigt hätte und es wird aber halt öfter

00:15:54.700 --> 00:16:00.080
sowas gesagt wie, ja Mädchen sind halt eher Kunst- und Sprachbegabt und Jungs sind eben Mathematikbegabt,

00:16:00.300 --> 00:16:05.780
vermitteln Lehrkräfte. Dann geht man vielleicht irgendwie in eine Arztpraxis, wo dann ein Arzt

00:16:05.780 --> 00:16:12.360
sitzt oder Richter sind sehr oft Männer. Das ist etwas, was sozialpsychologisch auch untersucht

00:16:12.360 --> 00:16:19.600
wurde und gerade Kinder so im Alter von sieben, acht Jahren, die wurden gefragt, wenn du dir jetzt

00:16:19.600 --> 00:16:23.920
vorstellst, ein Arzt, also es wurde auch das männliche Wort Arzt genannt, wie sieht der aus?

00:16:23.940 --> 00:16:27.840
Und dann wurde sozusagen ein Foto gezeigt von so einem typischen männlichen Arzt, da waren gar keine

00:16:27.840 --> 00:16:32.320
Frauen zu sehen, sondern es war eben dieses Bild, was die Kinder sich vorgestellt haben, von einem

00:16:32.320 --> 00:16:36.920
Mann. Genau dasselbe war auch mit Richtern, dass da gar nicht sozusagen diese Vorstellung existiert,

00:16:36.940 --> 00:16:41.780
dass das ja auch Frauen sein könnten, sondern es ist dieses Bild vermittelt, wenn ich Arzt oder

00:16:41.780 --> 00:16:47.320
Richter höre, dann sind das auf jeden Fall Männer und so wachsen Kinder eben auf. Also diese gehobenen

00:16:47.320 --> 00:16:52.640
Berufe sind eben besetzt von Männern und wenn das dann mal eine Frau ist, ist das was Besonderes,

00:16:52.660 --> 00:16:59.580
was man nicht erwartet hat. Ein anderes Beispiel ist die Wirtschaft, da gibt es bei 160 Unternehmen,

00:16:59.580 --> 00:17:06.700
also beim DAX beispielsweise, ist ja sozusagen ein sehr wichtiges Gremium in der Wirtschaft,

00:17:06.700 --> 00:17:14.540
da gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass dort Leitungspositionen von verschiedenen Personen

00:17:14.540 --> 00:17:23.020
besetzt sind und von 160 Leitungspersonen haben zehn den Vorname Christian und nur sieben sind

00:17:23.020 --> 00:17:30.240
FLINTA*s. Also das heißt, von 160 sind insgesamt nur sieben FLINTA*s, der Rest sind Männer und davon

00:17:30.240 --> 00:17:34.960
heißen nur auch noch zehn Christian und das sind schon allein mehr, als es überhaupt FLINTA*s gibt

00:17:34.960 --> 00:17:39.640
in dieser Position. Und Medien ist ja auch als Beispiel genannt, das ist natürlich selbstverständlich

00:17:39.660 --> 00:17:47.200
in Zeitungen, auf Instagram, überall sehen wir Reformationen von FLINTA*s, die ja eben auch wieder

00:17:47.200 --> 00:17:52.280
diesen Bildern entsprechen, dass sie schön aussehen müssen, beispielsweise sexualisiert werden, dass

00:17:52.300 --> 00:18:00.360
FLINTA* das als Aufgabe haben. Sex sells ist eben in den Medien ein Thema. Sprache spielt

00:18:00.360 --> 00:18:05.120
ebenfalls eine Rolle, denn wir haben oft die männliche Sprachform, es wird keine

00:18:05.120 --> 00:18:10.920
neutrale Form verwendet, sondern eben die männliche Sprachform und auch wenn man sich in die Geschichte

00:18:10.940 --> 00:18:17.700
einliest und da Geschichtsbücher mal genauer betrachtet, da wird deutlich, dass 0,5 Prozent von

00:18:17.700 --> 00:18:23.840
diesen ganzen erwähnten Personen dort FLINTA*s sind. Also ein Großteil, über 99 Prozent all der

00:18:23.840 --> 00:18:28.920
politisch wichtigen Entscheidungen, all der Errungenschaften, all der Erfindungen, all dessen, was in

00:18:28.940 --> 00:18:33.840
Geschichtsbüchern auftaucht, sind eben Männer und das ist das, was man immer wieder sozusagen

00:18:34.180 --> 00:18:40.580
mitgegeben bekommt, das sind einfach keine FLINTA* zu finden, es sind Männer, die einen höheren Wert

00:18:40.580 --> 00:18:42.300
zu haben scheinen als FLINTA*s.

00:18:45.640 --> 00:18:57.640
Kommen wir zum nächsten Abschnitt, und zwar auf dem bewussten Level.

00:18:57.640 --> 00:19:04.640
Also man übernimmt über die Mehrheitsgesellschaft natürlich Gedanken, das kann bewusst aber auch unbewusst sein,

00:19:04.640 --> 00:19:08.640
und aber wenn FLINTA* zum Beispiel wild sind und sich gegen bestimmte Normen auflehnen,

00:19:08.640 --> 00:19:11.640
wird häufig immer wieder auch die Rückmeldung gegeben, das ist nicht in Ordnung.

00:19:11.640 --> 00:19:17.640
Man bekommt dann eine Strafe, weil man sich gegen die Normen auflehnt, weil man sich anders verhält.

00:19:17.640 --> 00:19:21.640
Wenn FLINTA* sich aber der Norm entsprechend verhalten, sich in Anführungszeichen richtig verhalten,

00:19:21.640 --> 00:19:23.640
bekommen sie ein positives Feedback.

00:19:23.640 --> 00:19:27.640
Das heißt, man lernt von Anfang an schon, wenn man ein bestimmtes Verhalten entspricht,

00:19:27.640 --> 00:19:30.640
bekommt man eine Belohnung, wird man wertgeschätzt,

00:19:30.640 --> 00:19:34.640
und man muss bestimmte Einstellungen und Verhaltensweise an den Tag legen,

00:19:34.640 --> 00:19:38.640
Jungs natürlich auch, wenn sie sozialisiert werden, um keine Strafe zu bekommen.

00:19:38.640 --> 00:19:43.640
Die Geschichte zeigt uns, ob das nur Lehrkräfte waren oder auch Ärztinnen, die FLINTA*s gesehen haben,

00:19:43.640 --> 00:19:45.640
waren das ja überwiegend männliche Personen.

00:19:45.640 --> 00:19:50.640
Das heißt, auch die Karrierevorstellung entspricht gar nicht dem, was vielleicht möglich wäre,

00:19:50.640 --> 00:19:54.640
weil man natürlich immer nur männliche Vorbilder in seiner Kindheit und Jugend gesehen hat.

00:19:54.640 --> 00:19:58.640
Jetzt gehen wir zu den Erfahrungen im Kreislauf weiter.

00:19:58.640 --> 00:20:02.640
Also wenn man diese ganzen Gedanken übernimmt und damit groß wird,

00:20:02.640 --> 00:20:07.640
dann kann man sich natürlich dagegen auflehnen, man kann wütend werden,

00:20:07.640 --> 00:20:10.640
aber man kann auch psychische Erkrankungen davon bekommen,

00:20:10.640 --> 00:20:14.640
man kann frustriert werden, man kann auch dem Ganzen sich hängen geben und sagen,

00:20:14.640 --> 00:20:16.640
ja, was Männer sagen, das stimmt, und ich sehe das ja auch,

00:20:16.640 --> 00:20:18.640
und ich bekomme ja auch immer wieder Bestätigungen in der Mehrheitsgesellschaft,

00:20:18.640 --> 00:20:23.640
FLINTA* können nicht, und dieses Denken, dass Männer mehr können als FLINTA*personen,

00:20:23.640 --> 00:20:30.640
hat man übernommen, und diese Strukturen, diese Machtdynamik übernommen,

00:20:30.640 --> 00:20:35.640
und man ist damit auch schon gewohnt, dass es diese Machtstruktur und diese Demanden gibt,

00:20:35.640 --> 00:20:37.640
und hinterfragt die teilweise vielleicht auch gar nicht mehr.

00:20:37.640 --> 00:20:41.640
Aber es gibt auch Personen, die eine Veränderung sich wünschen,

00:20:41.640 --> 00:20:45.640
die einen Durchbruch möchten, wie zum Beispiel ich heute mit meinem Vortrag,

00:20:45.640 --> 00:20:49.640
um sowas aufzuzeigen und dem Ganzen etwas entgegenzusetzen.

00:20:49.640 --> 00:20:53.640
Und dann könnte der Kreislauf wieder von vorne beginnen.

00:20:53.640 --> 00:20:57.640
Also man hat diesen Kreislauf durchlebt, und man kriegt zum Beispiel ein Kind

00:20:57.640 --> 00:21:01.640
und gibt das alles, was man erfahren hat, weiter, ohne es zu unterbrechen.

00:21:02.640 --> 00:21:07.640
Und wenn man sich überlegt, das System ist so, dann kann man natürlich sagen,

00:21:07.640 --> 00:21:10.640
ich nehme das einfach so hin, und ich kann da auch eh nichts gegen machen.

00:21:10.640 --> 00:21:14.640
Und Menschen, die sich dagegen auflehnen, kriegen häufig auch die Rückmeldung,

00:21:14.640 --> 00:21:20.640
das ist nicht richtig, oder sie bekommen eine Strafe, oder sie werden damit konfrontiert,

00:21:20.640 --> 00:21:22.640
dass sie nicht der bestimmten Norm entsprechen.

00:21:22.640 --> 00:21:25.640
Wenn man also in diesem Kreislauf sozialisiert ist, wie wir alle,

00:21:25.640 --> 00:21:27.640
hat man natürlich auch eine bestimmte Brille.

00:21:27.640 --> 00:21:29.640
Alle tragen bestimmte Brillen, wie sie die Welt sehen.

00:21:29.640 --> 00:21:32.640
Auch FLINTA*s haben eine bestimmte Wahrnehmung davon, wie zum Beispiel,

00:21:32.640 --> 00:21:36.640
der Wert von mir ist natürlich nicht so hoch im Vergleich zur männlichen Person,

00:21:36.640 --> 00:21:39.640
oder ich bin taub, und Hörner sind besser als ich gestellt.

00:21:39.640 --> 00:21:43.640
Man kann immer wieder verschiedene Brillen auch tragen, wie man bestimmte Dinge sieht,

00:21:43.640 --> 00:21:46.640
und einordnet auch die Brillen zu sagen, jemand ist behindert,

00:21:46.640 --> 00:21:49.640
und deswegen kann die Person das nicht so gut, die Person ist eine FLINTA*person,

00:21:49.640 --> 00:21:52.640
und deswegen kann sie bestimmte Sachen nicht so gut.

00:21:52.640 --> 00:21:56.640
Das sind, so möchte ich das gerne sehen, verschiedene Brillen, die man aufsetzt,

00:21:56.640 --> 00:21:59.640
wie man die Welt, wie man bestimmte Strukturen wahrnimmt,

00:21:59.640 --> 00:22:02.640
und wie daraus dann auch bestimmte Gedanken entstehen.

00:22:03.640 --> 00:22:07.640
Das Bild der Brille ist mir aufs folgende Punkt besonders wichtig,

00:22:07.640 --> 00:22:10.640
da komme ich später gerne nochmal drauf zurück.

00:22:11.640 --> 00:22:15.640
Wenn wir uns jetzt mit dem Thema Sexmissus als eine Diskriminierungsform auseinandersetzen,

00:22:15.640 --> 00:22:20.640
dann ist es letztendlich eine Diskriminierung gegenüber FLINTA*personen,

00:22:20.640 --> 00:22:23.640
das heißt, der Wert von FLINTA*personen ist schlechter gestellt als von Frauen.

00:22:23.640 --> 00:22:27.640
Wie zum Beispiel hier, man sieht, der Mann sitzt da am Tisch und bekommt von der Person

00:22:27.640 --> 00:22:30.640
mit der Schüssel in der Hand das Essen an den Tisch gebracht,

00:22:30.640 --> 00:22:34.640
und das ist Sexismus in seiner reinen Form.

00:22:39.640 --> 00:22:42.640
Häufig diskutiere ich auch mit männlich gelesenen Personen darüber,

00:22:42.640 --> 00:22:46.640
und dann kommt, ja, aber wir haben ja auch körperlich und biologisch andere Voraussetzungen,

00:22:46.640 --> 00:22:49.640
und deswegen gibt es einen Unterschied, und dann würde ich mir aber die Frage stellen,

00:22:49.640 --> 00:22:52.640
sind es wirklich biologische Gründe, weswegen Sexmissus entsteht,

00:22:52.640 --> 00:22:55.640
und diese Unterschiede in Anführungszeichen entstehen,

00:22:55.640 --> 00:23:00.640
oder ist das auch eine soziologisch-gesellschaftliche Gedanke, die weitergegeben werden?

00:23:00.640 --> 00:23:05.640
Natürlich gibt es auch einige Punkte, die in diesem Narrativ nicht stimmen,

00:23:05.640 --> 00:23:07.640
und da würde ich gerne einmal was zeigen.

00:23:07.640 --> 00:23:11.640
Es gab eine Untersuchung in Norwegen, in Skandinavien,

00:23:11.640 --> 00:23:14.640
die FLINTA*- und männlich gelesene Personen untersucht hat,

00:23:15.640 --> 00:23:19.640
und auch dort ist die Gleichstellung noch nicht hundertprozentig,

00:23:19.640 --> 00:23:23.640
aber im Vergleich zum anderen Rest der Welt ist es dort schon eine relativ hohe Gleichstellung

00:23:23.640 --> 00:23:26.640
von FLINTA*s und männlich gelesenen Personen,

00:23:26.640 --> 00:23:30.640
wenn wir uns dann FLINTA*-Personen und Männer in Indien nochmal angeschaut,

00:23:30.640 --> 00:23:32.640
wie da die Gleichstellung aussieht.

00:23:32.640 --> 00:23:35.640
Natürlich gibt es da auch kulturelle und geschichtliche Kriege,

00:23:35.640 --> 00:23:37.640
Kolonialismus und so weiter und so fort,

00:23:37.640 --> 00:23:40.640
das heißt, da gibt es noch einen starken Unterschied zwischen der Gleichstellung

00:23:40.640 --> 00:23:43.640
von FLINTA*-Personen und männlich gelesenen Personen.

00:23:43.640 --> 00:23:47.640
Aber ich finde, was nicht vergessen werden darf, sind die Stereotypen.

00:23:47.640 --> 00:23:51.640
Das, was ich ja auch schon nannte, dass es für FLINTA*-Personen auch schwierig ist,

00:23:51.640 --> 00:23:55.640
zu orientieren, wenn man keine Vorbilder in seiner Jugend auch sieht.

00:24:05.640 --> 00:24:07.640
Wir müssen hier doch einmal noch ein Stück zurückgehen, das geht ein bisschen schnell.

00:24:07.640 --> 00:24:12.640
In Norwegen wurde gesagt, dass da aufgrund der die Kultur sehr naturverbunden ist,

00:24:12.640 --> 00:24:15.640
dass es da einen starken Bezug zu der Natur gibt

00:24:15.640 --> 00:24:19.640
und das sehr wichtig für die Menschen in Norwegen und ihrer Kultur ist.

00:24:19.640 --> 00:24:23.640
Das heißt, Jungen und Mädchen kommen auf die Welt

00:24:23.640 --> 00:24:26.640
und bekommen gleich auch Unterricht zur Natur.

00:24:26.640 --> 00:24:29.640
Es wird ihnen ganz viel draußen gezeigt, Erlebnispädagogik sehr viel benutzt,

00:24:29.640 --> 00:24:34.640
um zu schauen, wie man die Natur auch lesen kann, wie man Spuren lesen kann.

00:24:34.640 --> 00:24:40.640
All das bekommen die Kinder, sowohl FLINTA* als auch Mädchen und Jungen,

00:24:41.640 --> 00:24:46.640
bekommen das zur gleichen Zeit in ihrem Alter auch gelehrt

00:24:48.640 --> 00:24:50.640
und werden auch gleich erzogen.

00:24:50.640 --> 00:24:52.640
Das heißt, sie werden auch mit den gleichen Fähigkeiten,

00:24:52.640 --> 00:24:55.640
die sie auf die Welt bekommen, sie alle Fähigkeiten und Fertigkeiten an die Hand.

00:24:55.640 --> 00:24:58.640
In Indien, das hat die Untersuchung gezeigt, gibt es einen großen Unterschied.

00:24:58.640 --> 00:25:00.640
Aber jetzt ist nur die Frage, ob das einen biologischen Grund hat,

00:25:00.640 --> 00:25:05.640
warum dort unterschiedliche Dinge unterrichtet werden oder zugänglich gemacht werden.

00:25:05.640 --> 00:25:07.640
Es hat tatsächlich hier eher eine gesellschaftliche Prägung

00:25:07.640 --> 00:25:09.640
über die Gedanken, die noch vorherrschen,

00:25:09.640 --> 00:25:11.640
was FLINTA*-Personen oder Mädchen in diesem Fall können,

00:25:11.640 --> 00:25:15.640
was männlich gelesene Personen können, Orientierung und so weiter und so fort,

00:25:15.640 --> 00:25:18.640
dass sich das da noch sehr, sehr lange hält im Vergleich zu Norwegen,

00:25:18.640 --> 00:25:20.640
wo andere Startbedingungen für alle schon gegeben werden.

00:25:20.640 --> 00:25:24.640
Wenn wir in die Geschichte zurückgehen mit Jäger und Sammlern,

00:25:24.640 --> 00:25:30.640
da gab es eine Archäologiefunde.

00:25:31.640 --> 00:25:36.640
Das waren überwiegend damals in Archäologie männlich-weiße Personen,

00:25:36.640 --> 00:25:43.640
die sehr unbedarft einfach durch die Welt gegangen sind und Grabstätten ausgegraben haben

00:25:43.640 --> 00:25:48.640
und dann zum Beispiel Waffen, Speere, Messer, Schwerter und so weiter gefunden haben.

00:25:48.640 --> 00:25:51.640
Und ihnen ganz klar war, wunderbar, das haben wir gefunden, das passt.

00:25:51.640 --> 00:25:54.640
Und dann haben sie zum Beispiel Töpfe gefunden oder Tonschein oder oder.

00:25:54.640 --> 00:25:56.640
Und dann wurde gleich die Zuordnung gemacht,

00:25:56.640 --> 00:25:58.640
das muss sicherlich FLINTA*-Personen gehört haben.

00:25:58.640 --> 00:26:03.640
200, 300 Jahre später lief die Archäologie immer noch in diesen bestimmten Vorstellungen

00:26:03.640 --> 00:26:10.640
und diesen Stereotypen, dass auf jeden Fall die Männer, die Jäger sein müssten

00:26:10.640 --> 00:26:14.640
und die FLINTA*-Personen, die weiblichen Personen müssten die Sammlern sein.

00:26:14.640 --> 00:26:15.640
Und dann gab es natürlich Geschichtsspücher,

00:26:15.640 --> 00:26:17.640
die diese Geschichtsschreibung immer wieder weitergegeben haben.

00:26:17.640 --> 00:26:20.640
Auch in der Wissenschaft hat sich diese Vorstellung immer wieder auch verbreitet.

00:26:20.640 --> 00:26:25.640
Aber ich glaube, vor ein paar Jahren kam raus, dass es wohl doch anders war,

00:26:25.640 --> 00:26:31.640
denn vor ein paar Jahren begann man die DNA, auch die Untersuchung,

00:26:31.640 --> 00:26:34.640
besser im Vergleich zu der Technologie vor einigen hundert Jahren,

00:26:34.640 --> 00:26:37.640
die DNA jetzt auch weiter zu untersuchen.

00:26:37.640 --> 00:26:44.640
Und das hat gezeigt, dass diese sehr, sehr alten Knochen von mehreren hunderten Jahren,

00:26:44.640 --> 00:26:48.640
die vielleicht auch schon schwierig waren zu finden, aber damals war es nicht möglich.

00:26:48.640 --> 00:26:51.640
Jetzt durch die neue Technologie war es möglich,

00:26:51.640 --> 00:26:56.640
aufgrund von DNA-Tests in diesen Gräbern zu sehen, dass es doch FLINTA*-Personen waren,

00:26:56.640 --> 00:26:59.640
die da auch bei diesen Waffen mit in diesen Gräbern lagen.

00:26:59.640 --> 00:27:04.640
Das heißt, diese wissenschaftliche Meinung, Diskussion in der Archäologie

00:27:04.640 --> 00:27:07.640
war auch ein bestimmtes Stereotyp-Vorurteil,

00:27:07.640 --> 00:27:12.640
dass es natürlich männliche Personen gewesen sein müssen, die in diesen Gräbern lagen.

00:27:12.640 --> 00:27:15.640
Und es hielt sich natürlich immer die Meinung,

00:27:15.640 --> 00:27:17.640
dass FLINTA*-Personen niemals gejagt hätten.

00:27:17.640 --> 00:27:20.640
Jetzt gibt es natürlich neue Untersuchungen, die auch das Gegenteil.

00:27:20.640 --> 00:27:23.640
deutlich machen. Das heißt, es ist immer wichtig,

00:27:23.640 --> 00:27:26.640
wenn man sich auch solche Sachen anschaut oder hört,

00:27:26.640 --> 00:27:29.640
dass das Ganze nicht immer eins zu eins so ungenommen werden muss.

00:27:29.640 --> 00:27:33.640
Es ist auch ein unangenehmes Thema,

00:27:33.640 --> 00:27:36.640
deswegen möchte ich auch immer wieder den Anstoß geben,

00:27:36.640 --> 00:27:41.640
sich damit auseinanderzusetzen, was FLINTA* eigentlich für eine Funktion

00:27:41.640 --> 00:27:45.640
und für eine Rolle für männlich gelesene Personen eigentlich hat.

00:27:45.640 --> 00:27:48.640
Was ich schon immer stark auch mehr sehe, ist, dass das Bild sich hält,

00:27:48.640 --> 00:27:51.640
man muss kochen für männlich gelesene Personen,

00:27:51.640 --> 00:27:54.640
man muss die Care-Arbeit machen, man soll sich um die Kinder kümmern,

00:27:54.640 --> 00:27:57.640
man hat bestimmte Aufgaben, man muss für den Sex zur Verfügung stehen

00:27:57.640 --> 00:28:00.640
und so weiter und so fort.

00:28:00.640 --> 00:28:03.640
Aber was ist die Aufgabe von einer FLINTA*-Person genau?

00:28:03.640 --> 00:28:05.640
Wie nimmt ein Mann sie denn dann wahr?

00:28:05.640 --> 00:28:08.640
Als gleichgestellte Person, mit der man gemeinsam

00:28:08.640 --> 00:28:11.640
den Beruf verfolgen kann, Karriere machen kann?

00:28:11.640 --> 00:28:14.640
Es ist kein Aufeinandertreffen auf Augenhöhe,

00:28:14.640 --> 00:28:17.640
sondern es gibt immer wieder auch diese Einstellung,

00:28:17.640 --> 00:28:20.640
dass FLINTA*-Personen für diese männlich gelesene Person

00:28:20.640 --> 00:28:22.640
etwas machen müssen.

00:28:22.640 --> 00:28:25.640
Das ist etwas, was sich in der Mehrheitsgesellschaft auch immer noch hält,

00:28:25.640 --> 00:28:28.640
was sich in der Erziehung von FLINTA*-Personen immer auch noch hält

00:28:28.640 --> 00:28:31.640
und was nach wie vor über Generationen noch weitergegeben wird.

00:28:34.640 --> 00:28:36.640
Ich möchte zum nächsten Thema kommen.

00:28:36.640 --> 00:28:38.640
Und zwar ist dieses nächste Thema Privilegien.

00:28:38.640 --> 00:28:41.640
Dafür möchte ich den Begriff kurz definieren.

00:28:41.640 --> 00:28:45.640
Es geht um verschiedene Gruppierungen, die eben mehr Vorteile haben

00:28:45.640 --> 00:28:48.640
im Vergleich zu anderen Gruppen und dadurch sind sie privilegiert.

00:28:48.640 --> 00:28:51.640
Das kann ganz verschiedene Art und Weisen annehmen.

00:28:51.640 --> 00:28:54.640
Beispielsweise gibt es körperliche Privilegien.

00:28:54.640 --> 00:28:56.640
Es gibt aber auch psychische Privilegien

00:28:56.640 --> 00:28:59.640
oder auch eben aufgrund des Geschlechts.

00:28:59.640 --> 00:29:02.640
Und das ist der Fall, wenn Männer eben bevorzugt werden

00:29:02.640 --> 00:29:04.640
im Vergleich zu FLINTA*-Personen.

00:29:04.640 --> 00:29:06.640
Es kann auch sich auf die Hautfarbe beziehen

00:29:06.640 --> 00:29:09.640
oder auf den Gesundheitsstatus,

00:29:09.640 --> 00:29:11.640
ob man eine Behinderung hat oder nicht.

00:29:11.640 --> 00:29:14.640
Menschen ohne Behinderung sind in der Regel auch privilegiert.

00:29:14.640 --> 00:29:17.640
Es gibt diese verschiedenen Gruppen, die sich eben immer gegenüberstehen.

00:29:17.640 --> 00:29:21.640
Und innerhalb der Gesellschaft werden uns bestimmte Privilegien

00:29:21.640 --> 00:29:24.640
aber auch mitgegeben, weil wir bestimmte Vorstellungen davon haben,

00:29:24.640 --> 00:29:28.640
was bevorzugt werden sollte und was benachteiligt wird.

00:29:28.640 --> 00:29:31.640
Und wenn wir uns jetzt FLINTA*s anschauen,

00:29:31.640 --> 00:29:36.640
die beispielsweise als Mädchen oder eben mit einem anderen Geschlecht aufwachsen,

00:29:36.640 --> 00:29:40.640
als inter- oder non-binär,

00:29:40.640 --> 00:29:43.640
dann ist das diese Kategorie von Menschen,

00:29:43.640 --> 00:29:45.640
die nicht privilegiert ist.

00:29:45.640 --> 00:29:47.640
Wohingegen, wenn ein Kind eben mit Penis geboren wird,

00:29:47.640 --> 00:29:50.640
dann wird direkt gesagt, ja, es ist ein Junge.

00:29:50.640 --> 00:29:53.640
Und dann beginnt dieser ganze Weg der Privilegien.

00:29:53.640 --> 00:29:56.640
Das heißt, mit der Geburt werden Privilegien schon mitgegeben.

00:29:56.640 --> 00:29:59.640
Das kann eben anhand des Geschlechts passieren

00:29:59.640 --> 00:30:01.640
oder anhand der Hautfarbe oder der anderen Faktoren,

00:30:01.640 --> 00:30:03.640
die ich gerade schon genannt habe.

00:30:03.640 --> 00:30:06.640
Das heißt, diese Privilegien sind einfach schon in die Wiege gelegt.

00:30:06.640 --> 00:30:08.640
Die sind einfach schon vorhanden,

00:30:08.640 --> 00:30:11.640
weil sie eben sich aus gewissen gesellschaftlichen Strukturen ergeben.

00:30:13.640 --> 00:30:16.640
Ich habe hier nochmal diese Gruppen mitgebracht,

00:30:16.640 --> 00:30:18.640
die sozusagen sich gegenüberstehen.

00:30:18.640 --> 00:30:20.640
Hören zu sein ist ein Privileg.

00:30:20.640 --> 00:30:23.640
Man kann telefonieren, man hat viele andere Faktoren,

00:30:23.640 --> 00:30:25.640
die einen privilegieren.

00:30:25.640 --> 00:30:27.640
Denn taube Menschen im Vergleich dazu

00:30:27.640 --> 00:30:31.640
haben oft nicht die Möglichkeit, an der Gesellschaft teilzunehmen.

00:30:31.640 --> 00:30:33.640
Sie können nicht barrierefrei kommunizieren.

00:30:33.640 --> 00:30:36.640
Die Mehrheitsgesellschaft kann in der Regel keine Gebärdensprache.

00:30:36.640 --> 00:30:39.640
Das heißt, hier ist ganz klar eine Aufteilung zu sehen.

00:30:39.640 --> 00:30:42.640
Das Gleiche gilt für Männer- und FLINTA*personen.

00:30:42.640 --> 00:30:45.640
Cis-Personen im Vergleich zu transnichtbinären Personen.

00:30:45.640 --> 00:30:48.640
Cis heißt, dass eine Person eben auch geboren ist

00:30:48.640 --> 00:30:51.640
in dem gleichen Körper, mit dem sie sich auch identifiziert.

00:30:51.640 --> 00:30:53.640
Ich beispielsweise bin als Frau geboren

00:30:53.640 --> 00:30:55.640
und identifiziere mich als Frau.

00:30:55.640 --> 00:30:58.640
Wohingegen es aber auch trans- und nichtbinäre Menschen gibt,

00:30:58.640 --> 00:31:00.640
die eben nicht in dem Körper geboren sind,

00:31:00.640 --> 00:31:03.640
in dem sie eben dann auch definiert werden.

00:31:03.640 --> 00:31:05.640
Dann haben wir heterosexuelle Personen,

00:31:05.640 --> 00:31:08.640
die gewisse Privilegien genießen,

00:31:08.640 --> 00:31:13.640
die LGBTIQA-Plus-Personen oder queeren Personen eben nicht zustehen.

00:31:13.640 --> 00:31:17.640
Wir haben weiße Personen im Gegensatz zu BIPOC.

00:31:17.640 --> 00:31:22.640
Also Black Indigenous People of Color.

00:31:22.640 --> 00:31:26.640
Das heißt, diese Personen sind schwarz oder indigen.

00:31:26.640 --> 00:31:30.640
Sie sind beispielsweise aus Asien, aus Indien,

00:31:30.640 --> 00:31:32.640
aus einem muslimischen Land.

00:31:32.640 --> 00:31:35.640
Also ganz verschiedene Personen fallen auch in diese Kategorie,

00:31:35.640 --> 00:31:38.640
die ebenfalls nicht privilegiert sind.

00:31:38.640 --> 00:31:43.640
Dann haben wir Personen, die neurotypisch sind,

00:31:43.640 --> 00:31:48.640
die sehr viele Vorteile eben genießen in ihrem Alltagsleben.

00:31:52.640 --> 00:31:54.640
Aber es geht eben auch noch weiter.

00:31:54.640 --> 00:31:56.640
Auch beispielsweise die Oberschicht hat Privilegien.

00:31:56.640 --> 00:31:59.640
Beispielsweise beim Einkaufen mehr verfügbares Geld

00:31:59.640 --> 00:32:01.640
im Vergleich zu Arbeiterinnen, Klassen oder Armutsbetroffenen.

00:32:01.640 --> 00:32:04.640
Also all diese Kategorien sind verschiedene Brillen,

00:32:04.640 --> 00:32:08.640
die wir aufsetzen können, um gewisse Privilegien eben auch feststellen zu können.

00:32:08.640 --> 00:32:11.640
Und wenn ich in einer Gruppierung bin,

00:32:11.640 --> 00:32:13.640
dann nehme ich meine Nachteile natürlich wahr,

00:32:13.640 --> 00:32:16.640
wohingegen es, wenn ich in einer privilegierten Gruppe bin,

00:32:16.640 --> 00:32:19.640
oft schwieriger ist, dann die eigenen Privilegien auch zu reflektieren.

00:32:27.640 --> 00:32:30.640
Wenn wir nun also aufwachsen in einer Gesellschaft,

00:32:30.640 --> 00:32:33.640
in der gewisse Personen gewisse Privilegien genießen,

00:32:33.640 --> 00:32:38.640
dann wird es der Fall sein, dass wir ebenfalls diese Privilegien haben wollen.

00:32:38.640 --> 00:32:43.640
Ich beispielsweise als Mensch mit Behinderung hätte natürlich gerne die Privilegien,

00:32:43.640 --> 00:32:47.640
die Menschen genießen, die nicht behindert sind.

00:32:47.640 --> 00:32:50.640
Und das könnte eben diese Vorstellung sein,

00:32:50.640 --> 00:32:53.640
dass mein Leben besser wäre, wenn ich nicht behindert bin.

00:32:53.640 --> 00:32:56.640
Wenn ich jetzt irgendwie eine Operation hätte, würde es mir besser gehen.

00:32:56.640 --> 00:32:58.640
Aber wir als taube Menschen, wir wissen,

00:32:58.640 --> 00:33:02.640
dass wir innerhalb unserer Community eben nicht unbedingt hörend sein müssen,

00:33:02.640 --> 00:33:05.640
sondern wir haben ja eine eigene Community, eine eigene Sprache.

00:33:05.640 --> 00:33:07.640
Das heißt, es ist nicht unbedingt immer der Fall,

00:33:07.640 --> 00:33:10.640
dass man in diese privilegierte Gruppe reinkommen muss,

00:33:10.640 --> 00:33:15.640
sondern es ist wichtig, gewisse Ziele sozusagen zu verfolgen, zu verändern.

00:33:15.640 --> 00:33:17.640
Und wir haben diese Vorstellung,

00:33:17.640 --> 00:33:24.640
dass beispielsweise BIPOC gerne heller sein möchten.

00:33:24.640 --> 00:33:26.640
Das passiert, weil sie wissen,

00:33:26.640 --> 00:33:29.640
dass weiße Menschen in der Mehrheitsgesellschaft Privilegien genießen

00:33:29.640 --> 00:33:32.640
und dann gibt es beispielsweise auch irgendwelche hautaufhellenden Cremes und Ähnliches.

00:33:32.640 --> 00:33:37.640
Also es gibt gewisse Versuche, sich in die Gruppe der Privilegierten zu geben

00:33:37.640 --> 00:33:39.640
oder sich der zumindest anzunähern.

00:33:42.640 --> 00:33:45.640
Ich denke, der Begriff Privilegien ist soweit klar geworden.

00:33:45.640 --> 00:33:49.640
Dann würde ich jetzt gerne auf das auf Male Privileges oder männliche Privilegien gehen.

00:33:51.640 --> 00:33:53.640
Da habe ich hier dieses Bild mitgebracht von einem Mann,

00:33:53.640 --> 00:33:55.640
der einfach nachts dunkel durch den Wald joggt.

00:33:55.640 --> 00:33:58.640
Der kann das, der muss sich keine Gedanken machen, keine Sorgen machen.

00:33:58.640 --> 00:34:01.640
Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass da eine FLINTA*person nachts durch den Wald läuft,

00:34:01.640 --> 00:34:05.640
dann ist da immer die Gefahr angegriffen zu werden, verschleppt zu werden.

00:34:06.640 --> 00:34:09.640
Diese Angst ist immer da, die ist immer präsent.

00:34:09.640 --> 00:34:13.640
Man geht nicht einfach entspannt ruhig nachts nochmal durch den Wald als FLINTA*person.

00:34:16.640 --> 00:34:18.640
Dieses Bild habe ich ausgewählt,

00:34:18.640 --> 00:34:24.640
weil natürlich Männer sich auch in gewisser Art und Weise anziehen können, wie sie möchten.

00:34:24.640 --> 00:34:27.640
Also sie sind ja eh nicht benachteiligt in unserer Gesellschaft.

00:34:27.640 --> 00:34:29.640
Da würde niemand kommen und sagen,

00:34:29.640 --> 00:34:34.640
also deine Hose, die hängt ja echt ganz schön runter.

00:34:35.640 --> 00:34:37.640
Willst du dir nicht mal eine vernünftige Hose anziehen?

00:34:37.640 --> 00:34:41.640
Aber FLINTA* hingegen, die würden sich roten Lippenstift drauf machen

00:34:41.640 --> 00:34:44.640
und dann wird ihnen noch gesagt, da ist was an deinem Zahn, das musst du wegmachen.

00:34:44.640 --> 00:34:47.640
Weil FLINTA* müssen perfekt aussehen in unserer Gesellschaft,

00:34:47.640 --> 00:34:50.640
weil sie so aufgewachsen sind, weil die Gesellschaft das so von ihnen verlangt.

00:34:50.640 --> 00:34:54.640
Und wenn sie nicht diesen Vorstellungen entsprechen, werden sie abgewertet.

00:34:54.640 --> 00:34:57.640
Das heißt, es ist immer ein großes Bestreben bei FLINTA*personen,

00:34:57.640 --> 00:35:02.640
ein großer Stress, der das auch auslöst, diesen Vorstellungen zu entsprechen.

00:35:05.640 --> 00:35:08.640
Es gibt viele Männer, die keine Kinder möchten, die das für sich ablehnen,

00:35:08.640 --> 00:35:11.640
die sagen, ja, das bringt mich nicht weiter, warum sollte ich Kinder bekommen?

00:35:11.640 --> 00:35:13.640
Und das ist vollkommen in Ordnung.

00:35:13.640 --> 00:35:16.640
Wenn jetzt eine FLINTA*person sagt, sie möchte keine Kinder,

00:35:16.640 --> 00:35:19.640
dann ist das sofort unmöglich, egoistisch.

00:35:19.640 --> 00:35:23.640
Und beispielsweise wie ich, wenn ich sage, ich möchte keine Kinder,

00:35:23.640 --> 00:35:27.640
dann kriege ich immer wieder mitgegeben, das ist aber deine Aufgabe,

00:35:27.640 --> 00:35:29.640
du musst Kinder kriegen, du musst Kinder pflegen,

00:35:29.640 --> 00:35:32.640
du musst Care-Arbeit leisten, das wird Männern nicht gesagt.

00:35:35.640 --> 00:35:40.640
Das Bild soll bedeuten, dass es im Alltag von FLINTA*personen

00:35:40.640 --> 00:35:46.640
sehr oft so ist, dass sie abwägen müssen,

00:35:46.640 --> 00:35:49.640
wie sich Männer in ihrem Umfeld verhalten könnten.

00:35:49.640 --> 00:35:51.640
Also muss ich jetzt irgendwie jemanden anrufen,

00:35:51.640 --> 00:35:54.640
muss ich einen Schlüssel in die Hand nehmen, um mich im Notfall zu verteidigen,

00:35:54.640 --> 00:35:57.640
wenn da dieser Mann auf mich zukommt, muss ich irgendwie darauf reagieren,

00:35:57.640 --> 00:36:00.640
muss ich mir schon überlegen, wer hier in der Nähe wohnt,

00:36:00.640 --> 00:36:03.640
wo ich mich verstecken könnte, muss ich da in das Restaurant gehen,

00:36:03.640 --> 00:36:06.640
um mir da Hilfe zu holen, das ist etwas, was FLINTA*personen machen,

00:36:06.640 --> 00:36:10.640
dass sie diese verschiedenen Notfallpläne einfach schon im Kopf durchgehen,

00:36:10.640 --> 00:36:12.640
weil da eine männliche Person auf sie zukommt,

00:36:12.640 --> 00:36:14.640
die sich vielleicht überhaupt gar keine Gedanken macht,

00:36:14.640 --> 00:36:17.640
sondern einfach nur so seinen Weg dort geht.

00:36:18.640 --> 00:36:20.640
Das Bild, na klar, da geht es um Sex.

00:36:22.640 --> 00:36:27.640
Bei FLINTA*s ist es so, wenn die mit vielen Männern geschlafen haben,

00:36:27.640 --> 00:36:30.640
dann sind das Schlampen, dann sind die schmutzig, dann sind die verbraucht,

00:36:30.640 --> 00:36:33.640
wohingegen, wenn Männer einen hohen Bodycount haben,

00:36:33.640 --> 00:36:37.640
dann ist das was, wo andere applaudieren und sie dafür beglückwünschen,

00:36:37.640 --> 00:36:41.640
was einfach auch damit zusammenhängt, dass Männer eben gewisse Privilegien genießen,

00:36:41.640 --> 00:36:43.640
die dürfen machen, was sie wollen.

00:36:43.640 --> 00:36:47.640
Und dieses Bild, na klar, da geht es nochmal ums Putzen.

00:36:47.640 --> 00:36:49.640
Gerade in Partnerschaften ist das sehr oft der Fall,

00:36:49.640 --> 00:36:53.640
dass FLINTA*s sich sehr viel mehr um den Haushalt kümmern.

00:36:53.640 --> 00:36:55.640
Das Bild ist jetzt ein bisschen übertrieben, ich weiß,

00:36:55.640 --> 00:36:59.640
aber es soll eben nochmal dieses Bild in unserer Gesellschaft darstellen,

00:36:59.640 --> 00:37:01.640
dass Männer dann eben sagen, ich habe den ganzen Tag schon gearbeitet,

00:37:01.640 --> 00:37:05.640
ich bin total K.O. und fertig, das ist jetzt deine Aufgabe hier zu putzen.

00:37:05.640 --> 00:37:10.640
Wenn man da mal zusammenrechnet, wie viele Stunden FLINTA*s sich um die Kinder kümmern,

00:37:10.640 --> 00:37:12.640
sich um den Haushalt kümmern, da gibt es auch Studien zu,

00:37:12.640 --> 00:37:20.640
und in ganz Deutschland, wenn alle FLINTA*s, die eben auf Kinder aufpassen müssen,

00:37:20.640 --> 00:37:26.640
den Haushalt machen, kochen, einkaufen und ja, all diese typischen FLINTA*aufgaben übernehmen,

00:37:26.640 --> 00:37:31.640
wenn man diese ganzen Stunden mal bezahlen würde mit einem Stundenlohn,

00:37:31.640 --> 00:37:33.640
der jetzt nicht super bezahlt ist, sondern der Mindestlohn,

00:37:33.640 --> 00:37:39.640
wenn man die mal mit den 12,50 Euro, das glaube ich gerade, mit dem Lohn bezahlen würde,

00:37:39.640 --> 00:37:43.640
all diese Arbeit, die da geleistet wird von FLINTA*personen über ein Jahr,

00:37:43.640 --> 00:37:51.640
da kommt eine Zahl raus von 800 Millionen, 800 Millionen Euro.

00:37:53.640 --> 00:37:57.640
Und die machen das aber kostenlos, die kriegen da gar keine Bezahlung für.

00:37:59.640 --> 00:38:03.640
Das ist nämlich unsere Vorstellung von Arbeitszeit,

00:38:03.640 --> 00:38:07.640
das, also es war ja früher eh total typisch, FLINTA* sind zu Hause geblieben,

00:38:07.640 --> 00:38:11.640
in moderner Zeit ist es ein bisschen anders, da arbeiten Frauen natürlich auch sehr viel mehr,

00:38:11.640 --> 00:38:17.640
aber es ist eben doch eher der Fall, dass FLINTA* eher so 20 Stunden arbeiten und Männer 40 Stunden,

00:38:17.640 --> 00:38:21.640
aber FLINTA* trotzdem keine Pause haben, weil sie den ganzen Tag beschäftigt sind,

00:38:21.640 --> 00:38:25.640
sie schlafen nachts vielleicht, aber sie haben eben noch diese ganzen anderen Belastungen

00:38:25.640 --> 00:38:28.640
wie Haushalt und Kinder, da muss man sich auch drüber gedanken.

00:38:31.640 --> 00:38:33.640
Wenn wir uns hier PolitikerInnen ansehen, vielleicht sind sie bekannt,

00:38:33.640 --> 00:38:36.640
das ist ja einmal Merz, den wir sehen, und einmal Glöckner.

00:38:36.640 --> 00:38:39.640
Ich mag die beiden nicht, aber das spielt jetzt für das Bild erstmal keine große Rolle,

00:38:39.640 --> 00:38:43.640
spannend ist aber, in den Medien, was ich gelesen hatte, ist, dass Merz

00:38:43.640 --> 00:38:51.640
Kritik oder Kommentare über seine eigene Person oder über die Wert seiner Arbeit

00:38:51.640 --> 00:38:54.640
niemals sich auf seine Kleidung bezieht.

00:38:54.640 --> 00:38:57.640
Es gab nicht einmal das Thema, dass der Anzug nicht zur Krawatte passt,

00:38:57.640 --> 00:39:01.640
oder irgendwie so etwas, also die Kleidung wurde nie in Kornkernen genannt,

00:39:02.640 --> 00:39:06.640
bei Glöckner wird es ständig kommentiert, dass Lidern nicht passen würde,

00:39:06.640 --> 00:39:09.640
das wäre jetzt ein bisschen zu grell die Farbe, sie sollte sich doch ein bisschen anpassen

00:39:09.640 --> 00:39:11.640
zu dem, was sie mag, jetzt waren ihre Haare nicht richtig gekämmt,

00:39:11.640 --> 00:39:14.640
dann hatte sie Lippen, oder, oder, oder.

00:39:15.640 --> 00:39:18.640
Aber es wurde nicht über ihre Arbeit und ihre Leistung kommentiert,

00:39:18.640 --> 00:39:22.640
sondern mehr über ihr Äußerliches. Das war relevanter für die Medien.

00:39:24.640 --> 00:39:28.640
Das ist nicht nur bei der Glöckner der Fall, sondern bei vielen weiblichen PolitikerInnen,

00:39:28.640 --> 00:39:31.640
die immer wieder mit ihrem Aussehen kommentiert werden und in der Presse erscheinen,

00:39:31.640 --> 00:39:33.640
aber nicht über ihre politische Arbeit.

00:39:44.640 --> 00:39:47.640
Wenn wir uns blinde Personen und männlich gelesene Personen anschauen,

00:39:47.640 --> 00:39:51.640
dann sind blinde Personen natürlich mehr von Diskriminierung betroffen

00:39:51.640 --> 00:39:55.640
und das hat, wie man hier bei dieser Pyramide sieht,

00:39:56.640 --> 00:39:58.640
endet im schlimmsten Fall im Femizid.

00:39:58.640 --> 00:40:02.640
Femizid, damit ist gemeint, dass menschlich gelesene Personen

00:40:02.640 --> 00:40:06.640
FLINTA* Personen ermorden, aufgrund ihres FLINTA*seins.

00:40:11.640 --> 00:40:18.640
Im Konkreten heißt das folgendes, die Definition wird bisher gesellschaftlich noch diskutiert,

00:40:18.640 --> 00:40:21.640
es gibt auch noch nicht immer so ganz genaue Abgrenzungen von anderen Sachen,

00:40:21.640 --> 00:40:26.640
aber meinstens wird gesagt, es war ein Beziehungsdrama oder ein Familiendrama,

00:40:26.640 --> 00:40:29.640
weswegen der Mann dann die Frau mit den zwei Kindern getötet hat,

00:40:29.640 --> 00:40:31.640
also sowas liest man ja häufiger in der Presse.

00:40:31.640 --> 00:40:35.640
Wenn man sich das aber genau anschaut, dann ist der Grund eigentlich,

00:40:35.640 --> 00:40:38.640
dass diese FLINTA*person sich von dem Mann zum Beispiel trennen wollte,

00:40:38.640 --> 00:40:42.640
aus der Beziehung gehen wollte und die männliche Person gesagt hat,

00:40:42.640 --> 00:40:45.640
du bist mein Eigentum, ich besitze dich, du musst für mich bleiben,

00:40:45.640 --> 00:40:47.640
du musst die Care-Arbeit für mich machen, du musst weiter für mich da sein,

00:40:47.640 --> 00:40:49.640
du musst weiter für mich zur Verfügung stehen,

00:40:49.640 --> 00:40:51.640
auf allen möglichen Ebenen, auf der körperlichen Ebene.

00:40:51.640 --> 00:40:58.640
Und das Ganze dann in der Gewaltspirale im Femizid endet, also im Mord an der FLINTA*person,

00:40:58.640 --> 00:41:03.640
weil nicht akzeptiert wird, dass sie ein eigenständiges, unabhängiges Leben führen möchte,

00:41:03.640 --> 00:41:06.640
sondern als Besitz gesehen wird.

00:41:08.640 --> 00:41:12.640
Und das ist natürlich eine hohe Eskalation der Gewaltspirale,

00:41:12.640 --> 00:41:14.640
aber man muss sich das unten schon anschauen.

00:41:14.640 --> 00:41:17.640
Es fängt ja schon unten an der Basis an, dass sich das immer mehr hochsteigert,

00:41:17.640 --> 00:41:19.640
bis hier zu dieser Spitze im Roten.

00:41:19.640 --> 00:41:23.640
Und unten sieht man erstmal bestimmte Einstellungen, Überzeugungen,

00:41:23.640 --> 00:41:27.640
wie ich am Anfang schon gesagt hatte, beim Kreislauf der Sozialisation,

00:41:27.640 --> 00:41:29.640
die wir mitnehmen in unserer Gesellschaft, womit wir groß werden,

00:41:29.640 --> 00:41:31.640
mit Vorbildern, mit Bildern, die wir sehen.

00:41:31.640 --> 00:41:34.640
Keine Ahnung, man sitzt abends in der Kneipe, es gibt diesen typischen Männerabend,

00:41:34.640 --> 00:41:38.640
es wird diskutiert und dann werden Witze über FLINTA*personen gemacht und gesagt,

00:41:38.640 --> 00:41:42.640
ich soll mal lustiges erzählen über meine Frau, die kriegt das mit dem Laptop gar nicht hin.

00:41:42.640 --> 00:41:47.640
Also so abwertende Sprüche, die als normal einfach in so einer Kneipe genannt werden,

00:41:47.640 --> 00:41:51.640
sexistische Witze in diesem Fall, die so weitergegeben werden.

00:41:51.640 --> 00:41:56.640
Und Untersuchungen zeigen, dass FLINTA*personen eigentlich besser Autofahren

00:41:56.640 --> 00:41:58.640
als männlich gelesene Personen.

00:41:58.640 --> 00:42:03.640
Männliche Personen sind risikofreudiger, es passieren ihnen häufiger Unfälle

00:42:03.640 --> 00:42:05.640
im Vergleich zu FLINTA*personen.

00:42:05.640 --> 00:42:07.640
Ich weiß nicht mehr genau, aber es gab eine Studie, die das verglichen hat,

00:42:07.640 --> 00:42:10.640
die genau das Gegenteil halt auch beweist, gegenüber diesen sexistischen Witzen.

00:42:11.640 --> 00:42:15.640
Dennoch halten sich diese Stereotype, diese Abwertung gegenüber FLINTA*personen.

00:42:15.640 --> 00:42:19.640
Und das wird als normal gesehen, dass solche Witze gemacht werden können.

00:42:19.640 --> 00:42:22.640
Man möchte seine Macht erhalten, ich darf machen, was ich will,

00:42:22.640 --> 00:42:25.640
ich darf auch diese Witze machen, ich habe bestimmte Überlegungen,

00:42:25.640 --> 00:42:28.640
Überzeugungen, Einstellungen, die sich halten.

00:42:28.640 --> 00:42:31.640
Daraus entstehen dann Diskriminierungen gegenüber FLINTA*personen.

00:42:31.640 --> 00:42:34.640
Zum Beispiel, was ich vorhin nannte, die Person wird nicht in der Firma eingestellt,

00:42:34.640 --> 00:42:38.640
weil sie eine FLINTA*person ist und wahrscheinlich schlechtere Leistung erbringen wird.

00:42:39.640 --> 00:42:43.640
Derzeit wird FLINTA*personen abgesprochen oder niedriger gestellt.

00:42:48.640 --> 00:42:51.640
Catcalling zum Beispiel ist ein bestimmter Begriff,

00:42:51.640 --> 00:42:55.640
dass man an der Straße langläuft, Männer stehen da zum Beispiel zu dritt in der Gruppe

00:42:55.640 --> 00:42:59.640
und pfeifen dann der Frau hinterher, so boah, hast du geile Brüste, boah, siehst du schön aus

00:42:59.640 --> 00:43:02.640
und pfeifen der Frau hinterher, das nennt man Catcalling.

00:43:02.640 --> 00:43:05.640
Das heißt, diese FLINTA*person wird als Objekt gesehen,

00:43:05.640 --> 00:43:08.640
nicht als eine Person mit Emotionen, mit Gefühlen, mit Rechten,

00:43:08.640 --> 00:43:12.640
sondern sie ist einfach nur ein schönes Anschauungsobjekt, das man kommentieren darf.

00:43:12.640 --> 00:43:16.640
Und da beginnt die psychische Gewalt, auch bei solchen Situationen schon.

00:43:16.640 --> 00:43:21.640
Und dann geht es in die nächste Ebene, und zwar in die körperliche Gewalt.

00:43:21.640 --> 00:43:24.640
Wenn du dich mir nicht zur Verfügung stellst und dich wehrst,

00:43:24.640 --> 00:43:26.640
dann wirst du vielleicht vergewaltigt.

00:43:26.640 --> 00:43:31.640
Und dann eskaliert die ganze Pyramide und endet am Ende mit einem,

00:43:31.640 --> 00:43:35.640
die Frau oder diese FLINTA*person möchte selbstständig alleine sein

00:43:35.640 --> 00:43:38.640
und das wird nicht akzeptiert und wird dann am Ende ermordet.

00:43:38.640 --> 00:43:41.640
Und es fängt, wie ich hier unten gesagt habe, schon bei solchen Witzen an,

00:43:41.640 --> 00:43:44.640
bei Mobbing gegenüber FLINTA*personen, bei Diskriminierenden,

00:43:44.640 --> 00:43:46.640
bei sexistischen Sprüchen gegenüber FLINTA*personen.

00:43:46.640 --> 00:43:48.640
Das ist die Basis, da fängt es eigentlich schon an.

00:43:48.640 --> 00:43:52.640
Und das ist die Ebene, an der man sich mit sich selber auseinandersetzen sollte.

00:43:52.640 --> 00:43:54.640
Welche Vorurteile habe ich eigentlich in meinem Kopf?

00:43:54.640 --> 00:43:57.640
Wie sehe ich eigentlich bestimmte Menschen? Wie gehe ich damit um?

00:43:57.640 --> 00:44:00.640
Welche Sätze, welche Sprüche sage ich, höre ich, sehe ich?

00:44:00.640 --> 00:44:02.640
Und wie reflektiere ich die?

00:44:02.640 --> 00:44:06.640
Und wie unterbinde ich vielleicht auch so eine Eskalationsspirale?

00:44:10.640 --> 00:44:12.640
Die Person, die ihr hier auf dieser, eine FLINTA*person,

00:44:12.640 --> 00:44:15.640
die ihr hier auf dem Bild seht, heißt Audre Lorde

00:44:19.640 --> 00:44:22.640
und sagte, dein Schweigen wird dich nicht schützen.

00:44:22.640 --> 00:44:25.640
Das heißt für uns FLINTA*personen, wenn wir schweigen,

00:44:25.640 --> 00:44:27.640
wenn wir Diskriminierung, Unterdrückung hinnehmen,

00:44:27.640 --> 00:44:29.640
dann wird uns das nicht schützen.

00:44:30.640 --> 00:44:34.640
Wenn männlich gelesene Personen andere Personen diskriminieren,

00:44:34.640 --> 00:44:36.640
abwerten, wir nichts sagen,

00:44:36.640 --> 00:44:38.640
dann wird uns die Gesellschaft nicht schützen.

00:44:38.640 --> 00:44:40.640
Andere Personen werden diese Personen nicht schützen.

00:44:40.640 --> 00:44:43.640
Diese Stereotype-Vorurteile werden weitergegeben

00:44:43.640 --> 00:44:46.640
und das Leben von FLINTA*personen kann nicht besser werden.

00:44:46.640 --> 00:44:49.640
Das heißt, dieses Schweigen wird uns nicht schützen,

00:44:49.640 --> 00:44:51.640
sondern das Gegenteil.

00:44:51.640 --> 00:44:59.640
Ja, ich glaube, so weit erst mal wäre ich durch mit meinem Vortrag.

00:45:00.640 --> 00:45:02.640
Ja, ich hatte eigentlich noch ein Fragezeichen,

00:45:02.640 --> 00:45:05.640
was hier angezeigt werden sollte, wurde jetzt nicht.

00:45:05.640 --> 00:45:08.640
Dann gehe ich mal zurück zur zweiten Folie.

00:45:09.640 --> 00:45:11.880
Da haben wir das Fragezeichen.

